Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig wachsam sein
Artikel vom 02. April 2025
Angst ist wichtig. Angst hat das Überleben der Menschheit gesichert und sichert es noch heute.
Haben wir Angst werden unsere Sinne schärfer und wir haben mehr Kraft. Doch Angst kann auch lähmen und Entscheidungen, die in einer Gefahrensituation getroffen werden, können rückblickend falsch gewesen sein.
Ich wünsche niemanden, jemals in einem brennenden, verrauchten Haus zu sein. Schon allein der Gedanke an diese Gefahr für sich und seine Liebsten, schnürt das Herz ein. Feuer ist gefährlich, doch Rauch ist lebensgefährlich. Sie haben etwa drei Atemzüge, bis Sie das Bewusstsein verlieren und dies in einem Gebäude, wo die Orientierung schwerfällt. Ein unvorstellbarer Gedanke und doch, immer wieder erleben Menschen genau diese Situation. Zum Glück haben wir unsere Freiwilligen Feuerwehren. Es sind Ihre Nachbarinnen und Nachbarn, die dann alles stehen und liegen lassen und zur Hilfe eilen. Die ihre Freizeit opfern, um auf genau solche Situationen vorbereitet zu sein.
Vorbereitung ist genau das richtige Stichwort. Eine gute Vorbereitung ist wichtig für die Kameradinnen und Kameraden der aktiven Einsatzabteilung, für die zahlreichen Kinder und Jugendlichen, die in der Jugendfeuerwehr gemeinsam trainieren aber genauso auch für Sie liebe Leserinnen und Leser! Sprechen Sie miteinander - sprechen Sie mit Ihren KIndern! Was ist wichtig, wenn ein Feuer ausbricht? Wie verhalte ich mich, wenn es komisch riecht? Wie reagiere ich, wenn plötzlich alles voller Rauch ist? - Um so mehr sie sich mit der Thematik beschäftigen, um so besser wird sie von Ihnen abspeichert und um so adäquater reagieren Sie, wenn es darauf ankommt.
Wie sich Rauch verhält, lässt sich leicht voraussagen. Damit unsere jungen Kameradinnen und Kameraden erleben können, wie sich der Rauch bei einem Hausbrand verteilt, wurden Rauchdemohäuser entwickelt. Antje Hoffmann, eine aktive Kameradin der Freiwilligen Feuerwehr Limberg gehört zu den besonders geschulten Feuerwehrangehörigen. Sie hat gelernt jungen Menschen zu erklären und zu zeigen wie sich Rauch verteilt und wie sich eine jede und ein jeder richtig und angemessen verhalten kann. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Mann Mathias, der auch viele Fragen beantwortete und uns immer wieder zum Nachdenken angeregt hat.
Doch von Anfang an, am Dienstag, den 18.03.2025 radelten Mitglieder der Krieschower Jugendfeuerwehr gespannt und voller Vorfreude in das Nachbardorf Limberg. Denn wir wollten das Rauchdemohaus kennenlernen.
Antje erzählte uns von klein Frieda, die gekokelt hatte und plötzlich war der ganze Raum voller Rauch. Gemeinsam überlegten wir wie sich Frieda nun verhalten sollte. Als das Fenster geöffnet wurde, sahen wir, wie der Rauch abzog und Frieda Luft hatte, um nach Hilfe zu schreien.
Als die Tür geöffnet wurde, sahen wir wie sich der Rauch im Haus verteilt, wie er durch Schlüssellöcher und Ritzen zieht und damit zu einer Gefahr für alle Lebewesen in dem Gebäude wird. Wir sahen, welche Räume besonders gefährdet wären und erlebten, wie schnell zum Beispiel Türritzen mit Kissen, Decken oder ähnliches abgedichtet werden können.
Noch lange haben die Kinder über das Gesehene gesprochen, haben überlegt und eingeschätzt, wie sie gehandelt hätten. Ihre Gedanken und Überlegungen haben sie mitgenommen und wohl die meisten haben daheim mit ihren Familien über das Gesehene gesprochen.
Auch ein "Aha-Erlebnis" hatten die Kinder und Jugendlichen. Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte sich klein Frieda versteckt. Denn Kinder neigen dazu sich in Gefahrensituationen dort zu verkriechen, wo sie sich sicher fühlen. Und plötzlich verstanden zahlreiche Mitglieder der Jugendfeuerwehr den Aufkleber an ihrer Zimmertür.
In einem Brandfall wird die Feuerwehr in Erfahrung bringen, wer sich alles noch wahrscheinlich (!!!) im Gebäude befindet. Die Atemschutzgeräteträger und -trägerinnen, werden vom Erdgeschoss an jedes Zimmer durchsuchen. Befinden sich eventuell Kinder in dem Gebäude werden die Räume und vor allem die Kinderzimmer besonders gezielt durchsucht. Ein Erwachsener würde sich bei einem Brand nicht im Kleiderschrank verstecken. Ein Kind allerdings schon, denn es fühlt sich im Schrank sicher.
Die Orientierung in einem verqualmten Haus ist schwierig. Die Kameradinnen und Kameraden können sich meist nur auf allen vieren fortbewegen. Doch ein kleiner Aufkleber kann Leben retten. Angebracht im unteren Bereich der Kinderzimmertür signalisiert er leuchtend: "Achtung, hier müsst Ihr Suchen, hier lebt ein Kind!" Dieser Aufkleber wird "Kinderfinder" genannt.
Viele unserer Feuerwehrkinder haben diesen Aufkleber an ihrer Zimmertür und auch für Ihre Kinder ist dieser Sticker wichtig. Sie können bei Ihrer Feuerwehr vor Ort nach dem Aufkleber Fragen oder ihn im Internet bestellen und sprechen Sie daheim über das richtige Verhalten im Brandfall. Seien Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig wachsam. Denn Sie wissen, alles ist ersetzbar nur das Leben nicht!
Anika Redmann
FFW Krieschow
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